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Im HPC geht der Trend zu mehr Produktivität

INTERVIEW

Interview zu HPC-Trends und zur Entwicklung von transtec mit Dr. Oliver Tennert, Director Marketing & HPC Solutions transtec

transtec hat mittlerweile über 400 Cluster-Installationen realisiert und namhafte Forschungsinstitutionen in der Kundenliste. Wie würden Sie, Dr. Tennert, die Position von transtec beschreiben?

Tennert: High Performance Computing war lange ein Bereich, in dem aus technologischen und finanziellen Gründen Größe die zentrale Kategorie war. Es war ganz logisch, dass hauptsächlich die Big Players im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen. Damit meine ich nicht nur die Seite der Anbieter mit Namen wie IBM oder HP, sondern auch die Anwender: HPC war noch bis vor kurzem eine Domäne großer Forschungseinrichtungen in Industrie und Wissenschaft. Im Zuge der Erweiterung unserer HPC-Aktivitäten merken wir, dass sich die Situation gerade stark verändert. Der Markt für HPC-Lösungen für den Mittelstand gewinnt zunehmend an Fahrt. Der Mittelstand wird auch von den Großen als Kunde entdeckt, außerdem werden verstärkt Lösungen entwickelt, die mittelstandsgeeignet sind. Hier sehen wir für uns eine ideale Position: transtec hat 30 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von IT-Lösungen für Wissenschaft und Forschung. Dafür sprechen allein unsere gut 400 Cluster-Installationen und die langjährige Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Forschungszentrum Dresden-Rossendorf oder der TU Darmstadt. Im Gegensatz zu vielen anderen Marktteilnehmern haben wir aber auch 30 Jahre Erfahrung in der Konzeption, Umsetzung und Betreuung von IT-Lösungen für den Mittelstand. Wir wissen, was dort zählt – und das ist nicht vorrangig Größe, sondern Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Kriterien, die sich für ein mittelständisches Unternehmen eben ganz anders darstellen als für eine Großforschungsanlage. Das haben auch unsere Technik-Partner aus der HPC-Industrie erkannt. transtec ist nicht umsonst Vertriebspartner für so große Namen wie Adaptive Computing oder CRAY.

Bleiben wir gleich bei Adaptive Computing. Was macht denn ein Produkt wie deren Moab Cluster Suite für transtec interessant? Wo sehen Sie die Vorteile gerade bei diesem System gegenüber anderen Lösungen?

Tennert: Betriebskosten sind ein wichtiges Kriterium, wenn wir mit unseren Kunden die Errichtung eines HPC-Clusters diskutieren. Wie arbeits- und ressourcenintensiv das Management des Clusters ausfällt, ist da ein wichtiger Punkt. Mit der Moab Cluster Suite hat Adaptive Computing ein Management-Tool entwickelt, das genau diesen Punkt adressiert. Die Moab Cluster Suite Familie, egal welches Mitglied auf dem Cluster läuft, bietet ein individuelles High-Level-Management. Durch das grafische Interface können neben erfahrenen Administratoren auch User ihre eigenen Jobs beobachten und sogar steuern. Es ist also keine komplizierte Script-Lösung, die sehr oft im Unix- und HPC-Bereich vorkommt.
Nehmen wir beispielsweise die Moab Adaptive HPC Suite. Sie ist in der Lage, das Betriebssystem eines Rechenknotens im laufenden Betrieb zu ändern, entsprechend den Anforderungen des aktuellen Workload, ohne dass jemand diesen Vorgang in Gang setzt oder überwacht.

Zu einem ganz besonderen Abschluss ist es auf der diesjährigen ISC in Hamburg gekommen. transtec und CRAY gehen eine langfristige Partnerschaft ein. Damit ist der Tübinger HPC-Spezialist der einzige große deutsche Anbieter, der mit dem Deskside Supercomputer CRAY CX1, den Markt- und Technikführer aus den USA, in Europa vertreibt.

Tennert: Dieser Abschluss zeigt uns, dass wir alles richtig gemacht haben. CRAY ist die Marke schlechthin im Supercomputing. Wir sehen die Partnerschaft unter zwei Gesichtspunkten. Zum einen zahlt sie voll auf unseren Markenschwerpunkt HPC-Lösungen ein, den wir ab sofort ja noch weiter ausbauen und verstärken werden. Da ist die Zusammenarbeit mit CRAY einfach großartig. Zum anderen werden wir damit unserem Anspruch gerecht, das Unternehmen zu sein, das die Übertragung von High-End-Technologien in die Arbeitsbedingungen mittelständischer Unternehmen vorantreibt. Mit den CRAY CX1-Systemen hält High Perfomance Computing damit Einzug in den Office-Bereich.

Bill Dally, Stanford-Professor und Chefwissenschaftler von Nvidia, prophezeite kürzlich gegenüber dem Forbes-Magazin eine Computerwelt, in der parallele Systeme dauerhaft zu Leistungssteigerungen führen. Geht es nach ihm, heißt die Lösung: „Prozessoren mit mehr Parallelität“ - also Recheneinheiten die Aufgaben gleichzeitig berechnen. Schließen Sie sich dieser Meinung an?
br /> Tennert: Ja, absolut. Schon in den 1990-Jahren hat man damit angefangen, durch einfache parallelisierte Abläufe Leistungssteigerungen zu bewirken. Gerade das Parallele steigert natürlich zum einen die Leistung, doch gewährleistet es zum anderen auch eine viel bessere Skalierbarkeit des gesamten Systems. Und gerade ein System, das ohne viel Wartung läuft, dabei leicht modifizierbar ist, entspricht den heutigen Ansprüchen. Selbst im Storage-Bereich greifen Rechner teilweise schon auf die Parallelisierung zurück. Im Vergleich zu Scale-Up-Lösungen lässt sich mit parallelen Systemen eine signifikante Beschleunigung der Rechenleistung zu deutlich günstigeren Investitionskosten erreichen.

Auf der diesjährigen ISC in Hamburg wird Kirk Skaugen von Intel über Scale-up und Scale-out im Supercomputing sprechen. Auch sie werden auf der ISC zu hören sein. Was ist das Thema?

Tennert: Ich werde am 2. Juni um 15.30 Uhr an einer Hot Seat Session teilnehmen. Das Thema ist „30 Years of Experience in Scientific Computing – Performance Transforms into Productivity“.

Das passt ja. Denn in diesem Zusammenhang kommen Sie oft auf die Doppeldeutigkeit des "P" in "HPC" zu sprechen: "Performance" plus "Produktivität". Steht dahinter mehr als ein Marketing-Spruch?

Tennert: Wir bei transtec übersetzen bei HPC ‚Performance’ in ‚Produktivität’, denn so denken unsere Kunden. Für die wenigsten von ihnen zählt die reine Performance der Hardware, die wir ihnen hinstellen können. Insbesondere mittelständische Unternehmen wollen die Lösung für ein IT-Problem, und sie erwarten, dass sich ihre Produktivität dadurch steigert. Wir verkaufen keine Tonne Blech, sondern eine individuelle Lösung für mehr Produktivität. Dafür sind bei Unternehmen X ganz andere Voraussetzungen zu berücksichtigen als bei Unternehmen Y. Ein ganz zentraler Faktor ist dabei die Einfachheit der Bedienung. Selbst erfahrene IT-Administratoren oder große IT-Abteilungen legen immer mehr Wert darauf, dass sich der Administrationsaufwand von Clustern in Grenzen hält und die Komplexität des Managements nicht ganz schnell Effizienzgewinne bei Rechenleistung und -schnelligkeit auffrisst. Und für kleinere Unternehmen gilt das natürlich noch klarer. Da sind oft schlicht nicht die entsprechenden Zeit- und Know-how-Ressourcen vorhanden.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft des Supercomputings. Viele Experten sprechen nur noch von der Cloud. Große Cloud-Anbieter wie Amazon oder Google setzen schon jetzt auf die Strukturen. Werden die klassischen Supercomputer im Cloud-Zeitalter zum Auslaufmodell?

Tennert: Nein, das glaube ich nicht. Das Cloud Computing steckt noch in den Kinderschuhen und kann meines Erachtens auch in Zukunft die lokalen Systeme nicht verdrängen. Zu sehr ist beispielsweise die Cloud von der Geschwindigkeit des Netzwerkes abhängig. Doch gerade das ist ja einer der wichtigsten Schlüssel im Supercomputing. Stockt der Datenfluss erst oder schafft das System es nicht, diesen schnellstmöglich aus dem Speicher wieder weiterzuleiten, kommt das Cloud Computing ganz schnell an seine Grenzen. Ist ein Supercomputing-System schnell skalierbar und parallelisiert es richtig, werden die Jobs auch zur Freude des Kunden abgearbeitet. transtec sieht den Hype um Cloud Computing deswegen ziemlich gelassen. Darin werden wir auch von den reinen Verkaufszahlen bestärkt: Mittelständische Unternehmen investieren nach wie vor in Cluster und Hardware – und die werden ihre Investitionen nicht einfach so aufgeben. Cloud-Enthusiasten unterschätzen meines Erachtens außerdem die Denk- und Funktionslogik von mittelständischen Unternehmen: Unternehmenskritische Daten und Prozesse komplett an die ‚Wolke’ abzugeben – und damit an ein anderes Unternehmen, dagegen spricht schon allein das Sicherheitsverständnis vieler unserer Kunden. Ganz zu schweigen von der rechtlichen Unsicherheit. Ich gehe davon aus, dass Cloud Computing erst einmal seinen Markt eher bei den Anwendern findet, die kollaborativ arbeiten, aber keine Ressourcen einsetzen wollen, dafür die entsprechende Architektur aufzubauen – und natürlich bei Privatnutzern, denen die großen Internet-Dienste verstärkt Cloud Computing Lösungen in Form von Apps anbieten. Für das durchschnittliche Unternehmen sehe ich das bisher nicht. Und das sage ich als jemand, der selbst in einem mittelständischen Unternehmen Verantwortung trägt.

Diese Pressemitteilung sowie ein Foto von Dr. Oliver Tennert finden Sie zum Download unter: http://www.panama-pr.de/download/transtec-InterviewOliverTennert.zip